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Führen von Gesprächen

Einleitung

Wie funktioniert Kommunikation? Diese Frage haben wir bereits im ersten Lernbereich von Sprache und Umgang erarbeitet.

In diesem Lernbereich vertiefen wir das Thema Kommunikation. Wir beschäftigen uns mit zwei Gesprächstechniken:

  • Aktives Zuhören kann helfen auch die Gefühle einer anderen Person zu beachten, besonders in einem schwierigen Gespräch.
  • Ich-Botschaften helfen Gefühle und Wünsche zu kommunizieren. Dabei fühlt sich die andere Person nicht angegriffen.
  • Außerdem wird ein weiteres Kommunikationsmodell vorgestellt:
    Gewaltfreie Kommunikation ist ein Modell um die Beziehung in Gesprächen zu stärken. Sie wird deshalb häufig in Konfliktgesprächen angewandt.

Aktives Zuhören

Das aktive Zuhören nach Rogers ist eine Technik für Gespräche. Sie hilft insbesondere bei schwierigen Gesprächen.

In schwierigen Gesprächen müssen besonders zwei Fragen beantwortet werden:

  • Was wird gesagt?
  • Was fühlt die andere Person dabei?

Die Technik des Aktiven Zuhörens hilft die Gefühle der anderen Person zu beachten. Man nennt das auch den emotionalen Inhalt eines Gesprächs. Außerdem zeigt man bei der Technik, welches Gefühl man bei der Person wahrgenommen hat.

Es sind drei Phasen zu beachten:

1. Zuhören

  • Hören Sie der anderen Person genau zu.
  • Zeigen Sie Interesse. Schauen Sie die andere Person an. Vermeiden Sie verschränkte Arme.
  • Vermeiden Sie Ablenkungen, wie beispielsweise durch ein Smartphone.
  • Zeigen Sie Ihre Aufmerksamkeit, indem Sie „aha“ oder „verstehe“ sagen und nicken.

2. Verstehen

  • Fassen Sie in eigenen Worten zusammen, was die andere Person gesagt hat.
  • Fragen Sie die andere Person, ob die Zusammenfassung richtig ist. Das Wiederholen hilft dabei, Missverständnisse zu vermeiden.

3. Spiegeln des emotionalen Inhalts

  • Versuchen Sie zu deuten, wie es der anderen Person geht.
  • Versuchen Sie, den emotionalen Inhalt der Mitteilung zu verstehen.
  • Melden Sie der anderen Person zurück, welche Gefühle Sie bei Ihr wahrgenommen haben. Zum Beispiel: „Ich nehme wahr, dass du dich damit unwohl fühlst, ist das richtig?“

Beispiel

Anna: Hey, Max! Wie geht es dir?

Max: Oh, hallo Anna. Es geht so.

Anna: Was meinst du mit „es geht so“? Was ist los?

Max: Na ja, ich hatte heute einen echt stressigen Tag in der Arbeit.

Anna: Das hört sich anstrengend an. Was ist passiert?

Max: Es war einfach zu viel los. Der Druck, die Deadlines und dann noch diese unerwarteten Probleme.

Anna: Das klingt wirklich herausfordernd. Es muss frustrierend sein, wenn so viele Dinge auf einmal passieren.

Max: Ja, genau. Ich fühle mich einfach überfordert.

Anna: Verstehe ich das richtig, dass du dich überfordert fühlst, weil es heute in der Arbeit so viel auf einmal gab?

Max: Ja, genau das meine ich. Ich weiß einfach nicht, wie ich das alles bewältigen soll.

Anna: Ich verstehe. Vielleicht könnten wir gemeinsam nach Wegen suchen, wie du besser mit dem Stress umgehen kannst. Zum Beispiel könntest du dir klare Prioritäten setzen.

Max: Das ist eine gute Idee. Danke, Anna. Es tut gut, mit jemandem darüber zu sprechen.

Auflösung:

In diesem Beispiel wird deutlich, wie Anna aktiv zuhört, Verständnis zeigt und Max ermutigt, über seine Gefühle zu sprechen.

Merke: Aktives Zuhören

Die Gesprächstechnik Aktives Zuhören hilft dabei:

  • sich gegenseitig richtig zu verstehen
  • Missverständnisse zu vermeiden
  • die Beziehung zu stärken

Übung: Aktives Zuhören

Versuchen Sie das Aktive Zuhören bewusst in einem Alltagsgespräch anzuwenden. Fragen Sie im Anschluss des Gesprächs die andere Person, wie sie sich dabei gefühlt hat.

Ich-Botschaften

Ich-Botschaften sind Mitteilungen über die eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Zum Beispiel: „Ich fühle mich ausgeschlossen“ oder „Ich bin traurig“.
Ich sage einer anderen Person, wie ich mich fühle, wenn die andere Person so handelt.
Dadurch fühlt sich die andere Person nicht angegriffen.

Du-Botschaften sind Mitteilungen, in denen etwas über die andere Person gesagt wird,
beispielsweise „Du bist schuld“ oder „Du hörst mir nie zu“.
Der anderen Person wird gesagt, wie ich sie bewerte und beurteile.
Dadurch wird die andere Person beschuldigt und fühlt sich schlecht.

Beispiel

In diesem Beispiel geht es um eine Mutter, die für eine kurze Zeit etwas Ruhe braucht.

Du-Botschaft der Mutter: „Du gehst mir auf die Nerven!“
Das Kind denkt: „Ich bin der Mama lästig. Sie mag mich nicht mehr.“

Ich-Botschaft der Mutter: „Ich bin sehr müde. Ich brauche eine kurze Pause.“
Das Kind denkt: „Mama ist müde. Ich kann später zu ihr kommen.“

Auflösung:

Die Du-Botschaft ist für das Kind sehr verletzend. Das Kind denkt, es ist nicht liebenswert.
Die Ich-Botschaft erklärt das persönliche Problem der Mutter. Die Mutter schildert, wie sie sich fühlt und was sie sich wünscht. Das Kind bezieht das Problem nicht auf sich.

Merke: Ich Botschaften

Ich Botschaften können eine offene Kommunikation fördern. Sie helfen, Gefühle und Bedürfnisse klar auszudrücken. Sie fördern damit den respektvollen Umgang in einem Gespräch.

Aufgabe: Ich-Botschaften

Verwandeln Sie die Du-Botschaften in Ich-Botschaften.

Schreiben Sie die Ich-Botschaft unter die zugehörige Du-Botschaft.

Sie können sich dafür die nachfolgende Word-Datei herunterladen.

 

Gewaltfreie Kommunikation

Die gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg ist ein Modell für die Kommunikation. Gewaltfreie Kommunikation möchte die Beziehung in Gesprächen stärken. Sie möchte den respektvollen Umgang miteinander stärken. Sie möchte Empathie zwischen den Sprechenden hervorbringen. Also ein Verständnis für die Situation des anderen.

Die Gewaltfreie Kommunikation hat vier Phasen:

  1. Beobachtung: Beschreiben Sie wertfrei, was Sie sehen und/oder hören.
  2. Gefühl: Beschreiben Sie, welches Gefühl bei Ihnen ausgelöst wird.
  3. Bedürfnis: Benennen Sie Ihr Bedürfnis und begründen Sie es.
  4. Bitte: Äußern Sie Ihre Bitte an die andere Person.

In diesem Screencast lernen Sie das Modell der gewaltfreien Kommunikation kennen.

Video: Gewaltfreie Kommunikation

Video in deutscher Gebärdensprache: Gewaltfreie Kommunikation

Folien: Gewaltfreie Kommunikation

Die vier Phasen sind der wichtigste Bestandteil der Gewaltfreien Kommunikation. Die Faustformel oder Eselsbrücke können Ihnen helfen sie sich zu merken.

Faustformel:

Wenn ich a sehe (Beobachtung), dann fühle ich b (Gefühl), weil ich c brauche (Bedürfnis). Deshalb möchte ich jetzt gern d (Bitte).

Eselsbrücke:

se-fü-bra-bi
Beim nächsten Konflikt einmal durchschnaufen und: sehen, hlen, brauchen, bitten.

Giraffe und Wolf in der Gewaltfreien Kommunikation

Das Modell der Gewaltfreien Kommunikation ist etwas schwierig. Deshalb hat Rosenberg oft zwei Symboltiere genutzt, um sie zu erklären. Die Symboltiere veranschaulichen das Modell.

Die Giraffe ist das Symbol für die Sprache der Gewaltfreien Kommunikation. Sie wird auch Giraffensprache genannt. Der Wolf ist das Symbol für eine gewaltvolle Kommunikation. Er nennt sie auch Wolfssprache.

Was meint Giraffensprache?

Die Giraffe ist das höchste Landtier. Sie kann eine Situation ganz überblicken. Der lange Hals hilft die Situation mit etwas Abstand zu sehen.

Die Giraffe ist auch das Landtier mit dem größten Herzen. Sie versucht die Gefühle zu spüren. Sie versucht auch die Bedürfnisse wahrzunehmen. Sie fragt sich welche Bitten aus den Bedürfnissen entstehen?

Giraffensprache meint somit:

  • Mitfühlendes Zuhören
  • Wertschätzende Sprache (nicht verletzend und bestrafend)
  • Kraftvolle und deutliche Sprache
  • Verhalten, welches eine Verbindung spüren lässt

Die Giraffe versucht, gemeinsame Lösungen zu finden.

Was meint Wolfssprache?

Der Wolf ist kleiner als die Giraffe. Er kann die Situation nicht gut überblicken. Er versucht die Situation über Drohung und Gewalt zu kontrollieren. Der Wolf will im Mittelpunkt stehen. Er sucht einen Schuldigen.

Wolfssprache meint somit:

  • Kritisieren
  • Beleidigen
  • Bestrafen
  • Bedrohen
  • Manipulieren

Der Wolf lässt den anderen als Verlierer dastehen.

Die Giraffensprache und Wolfssprache sind sehr unterschiedlich. Hinter der Wolfssprache steckt die Haltung, dass der andere als Verlierer dastehen soll. Hinter der Giraffensprache steht die Haltung, dass eine gemeinsame Lösung gefunden werden soll.

Mit den Symbolen Wolf und Giraffe können Sie sich wichtige Merkmale der Gewaltfreien Kommunikation merken. Sie können Ihr Verhalten und Ihre Sprache reflektieren und anpassen.

Wenn Sie mehr über die Gewaltfreie Kommunikation erfahren möchten, gehen Sie in die Vertiefung. In der Vertiefung erhalten Sie Lesetipps und den Link zu einem Erklärvideo über Gewaltfreie Komunikation.

Merke: Gewaltfreie Kommunikation

Sie können das Modell der gewaltfreien Kommunikation in allen Gesprächen anwenden. Es wird in Konfliktgesprächen besonders häufig verwendet. Es hilft Lösungen im Gespräch zu erarbeiten und damit Konflikte zu lösen.

Aufgabe: Führen von Gesprächen

Die folgenden vier kleinen Aufgaben können in Ihrem Alltag geübt werden. Die Aufgaben hängen nicht zusammen und folgen keiner bestimmten Reihenfolge.

1. Beobachtung

Schauen und/oder hören Sie sich einmal um. Versuchen Sie wertfrei zu beschreiben, was Sie wahrnehmen.

Zum Beispiel: „Ich nehme wahr, dass Kleidungsstücke auf dem Boden liegen.“ Vermeiden Sie zum Beispiel: „Ich nehme wahr, dass das Zimmer sehr unordentlich ist.“

2. Gefühl

Wenn Sie in nächster Zeit einmal schlechte Laune haben, versuchen Sie sich im Inneren zu spüren. Beschreiben Sie, wie Sie sich fühlen. Versuchen Sie dabei möglichst genaue Begriffe für Ihre Gefühle zu finden. Sind Sie vielleicht gekränkt, besorgt, frustriert, überfordert oder verärgert?

3. Bedürfnisse

Wenn Sie in nächster Zeit eine Situation verändern möchten, finden Sie heraus, welches Bedürfnis dahintersteht. Stellen Sie sich die Fragen: Warum möchten Sie die Situation verändern? Was würde die Veränderung bewirken? Hätten Sie nach der Veränderung andere Gefühle? Inwiefern würde sich die Situation für Sie verbessern?

4. Bitte

Wenn Sie in nächster Zeit eine Bitte an eine andere Person richten, achten Sie darauf, wie Sie diese Bitte formulieren. Ist Ihre Bitte erfüllbar, also kann die andere Person sie ausführen? Ist sie positiv formuliert? Ist sie so formuliert, dass Sie später überprüfen können, ob die Bitte umgesetzt wurde?

Vertiefung

Hier können Sie Ihr Wissen zur Gewaltfreien Kommunikation vertiefen. Sie können auch die Bücher nachlesen, welche wir für diesen Lernbereich verwendet haben.

Viel Spaß beim Stöbern!

Vertiefung Gewaltfreie Kommunikation

Die Gewaltfreie Kommunikation ist ein Modell, das sehr verbreitet ist. Es wird auf der ganzen Welt angewandt. Es gibt daher viele Erklärvideos und Literatur. Wir geben Ihnen Tipps, wenn Sie mehr lesen oder hören möchten. Die Tipps sind alle in Regelsprache.

Gute Informationsseiten zur Gewaltfreien Kommunikation

Dieser Link führt Sie zur Seite des Fachverbands Gewaltfreie Kommunikation (GFK):
Website: Fachverband Gewaltfreie Kommunikation

Rosenberg hat das Zentrum für Gewaltfreie Kommunikation (CNVC) gegründet. Dieser Link führt Sie zur Seite des Zentrums für Gewaltfreie Kommunikation. Die Seite ist englischsprachig, kann aber auf Deutsch umgestellt werden:
Website: Zentrum für Gewaltfreie Kommunikation

YouTube-Video zur Gewaltfreien Kommunikation

Dieser Link führt Sie zu einem Youtube-Video, das Gewaltfreie Kommunikation kurz erklärt. Das Video wurde von Socialexpert bereitgestellt. Socialexpert ist eine Podcast-Serie. Lars Pahling arbeitet im Johannesstift (Berlin) in der Behindertenhilfe. Zusammen mit einem Kollegen hat er Socialexpert privat gestartet. Ziel ist es Menschen die Arbeit in der Sozialwirtschaft näher zu bringen und Wissen zu teilen:
Video: Gewaltfreie Kommunikation von SocialExpert

Lesetipps zur Gewaltfreien Kommunikation

Marshall B. Rosenberg
Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens
Junfermann Verlag Paderborn | 2016 | Regelsprache

Marshall B. Rosenberg
Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation –  Ein Gespräch mit Gabriele Seils
Herder Verlag Freiburg i.B. | 2023 | Regelsprache

Ingrid Holler
Trainingsbuch Gewaltfreie Kommunikation  – Abwechslungsreiche Übungen für Selbststudium, Seminare und Übungsgruppen
Junfermann Verlag Paderborn | 2012 | Regelsprache

Angaben zu Literatur und Quellen

Ursula Herter-Ehlers

Grundlagen der Kommunikation für Gesundheitsberufe – Leitfaden für Logopäden, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Pflege
Springer Verlag Wiesbaden | 2021 | Regelsprache

Anke von der Heyde | Boris von der Linde
Gesprächstechniken für Führungskräfte – Methoden und Übungen zur erfolgreichen Gesprächsführung
Haufe-Mediengruppe Freiburg, Berlin, München | 2009 | Regelsprache

Marshall B. Rosenberg
Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens
Junfermann Verlag Paderborn | 2016 | Regelsprache