Rhetorik
Was ist Rhetorik?
Rhetorik nennt man auch Redekunst. Es ist die Lehre von der wirkungsvollen Gestaltung einer Rede. Also es geht dabei um die Themen:
- Körpersprache, also die Frage: Was erzählt der Körper?
- Stimme und Sprechweise, also die Frage: Wie wird gesprochen?
- Redeinhalt, also die Frage: Was wird gesagt?
Körpersprache: Der Körper spricht mit.
Was ist die Körpersprache?
Die Körpersprache meint die wortlose Sprache einer Person, also die Mimik und die Gestik.
Die Mimik meint den Gesichtsausdruck einer Person.
Die Gestik beschreibt die Körperhaltung, die Körperbewegung, die Haltung der Arme, die Bewegungen der Hände, die Sitzposition, den Stand, die Kopfhaltung und den Blickkontakt einer Person.
Schauen Sie sich das folgende Video an.
Was ist eine gute Körpersprache beim Sprechen vor Publikum?
- Halten Sie den Kopf oben.
- Halten Sie Blickkontakt zum Publikum.
- Üben Sie einen neutralen Gesichtsausdruck für Situationen, in denen Sie sich unwohl fühlen.
- Versuchen Sie aufrecht zu stehen oder sitzen.
- Halten Sie Ihre Füße am Boden, das gibt Ihnen Sicherheit.
- Halten Sie Ihre Arme offen. Ein Verschränken der Arme wirkt abweisend.
- Lassen Sie Ihre Hände weg von Gesicht und Kopf. Bei Aufregung neigen viele Personen zu Gestiken wie zum Beispiel am Kopf kratzen, mit den Haaren spielen usw.
- Ihre Hände können Sie vor dem Körper verschränken. Besonders bei Aufregung kann Ihnen die Sicherheit geben.
Wenn Sie dies beachten, strahlt Ihre Körpersprache Selbstsicherheit aus!
Stimme
Wenn Sie vor anderen Personen sprechen, ist es wichtig, dass diese Sie gut verstehen können. Achten Sie auf:
- Ihre Sprechlautstärke,
- eine deutliche Aussprache,
- Ihre Sprechgeschwindigkeit
Das Thema Stimme werden wir in der Präsenzschulung weiter vertiefen und vor allem auch praktisch üben.
1. Sprechlautstärke
Die Sprechlautstärke ist ein Werkzeug um etwas zu betonen und eine Rede abwechslungsreich zu gestalten.
Sie können in einer Rede mit Ihrer Lautstärke ein wenig spielen.
Dabei gilt aber:
Sprechen Sie jederzeit so laut, dass auch Personen in der letzten Reihe Sie gut hören können.
Fragen Sie zum Beispiel zu Beginn nach, ob Personen aus der letzten Reihe Sie gut verstehen können.
Machen Sie häufig Atem- und Sprechübungen, wenn sie eine leise und kraftlose Stimme haben. Schauen Sie sich das Video an. In diesem Video erhalten Sie drei Stimmübungen (Das Gurgeln, das Summen und das Kausummen):
Youtube: Stimmtraining – Die drei besten Stimmübungen
Diese und weitere Sprechübungen vertiefen wir in den Präsenz-Schulungen.
2. Deutliche Aussprache
Versuchen Sie immer deutlich und klar zu sprechen.
Eine undeutliche Aussprache ist für die Zuhörenden anstrengend. Zugleich wirken Sie als Redner:in unsicher.
3. Sprechgeschwindigkeit
Die Sprechgeschwindigkeit ist ein Werkzeug für eine gute Rede. Sie können die Sprechgeschwindigkeit verändern und somit an Ihren Inhalt anpassen. Das kann Ihren Zuhörenden helfen, den Inhalt zu verstehen. Es hilft auch die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten.
Sprechen Sie grundsätzlich sehr langsam, verlieren Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörenden. Nur wenige Personen sprechen zu langsam für die Zuhörenden. Wenn Sie denken, dass Sie zu langsam Sprechen, holen Sie sich Rückmeldungen von 2 bis 3 anderen Personen dazu ein.
Wie können Sie lernen, schneller zu sprechen?
- Üben Sie unterschiedliche Geschwindigkeiten zum Beispiel, indem Sie etwas laut vorlesen. Erhöhen Sie die Geschwindigkeit und werden Sie wieder langsamer.
- Sie können auch gleich mit einfachen Reden beginnen. Bereiten Sie Ihre Rede vor. Wiederholen Sie Ihre Rede mehrfach. Versuchen Sie die Geschwindigkeit an einzelnen Stellen zu erhöhen.
- Hören Sie sich Reden von berühmten Personen an. Achten Sie darauf, wann diese Ihre Geschwindigkeit erhöhen und wann nicht. Unter folgendem Link finden Sie gute Reden von Willy Brandt, John F. Kennedy, Richard von Weizsäcker und weiteren: Webseite: SWR – Große Reden
Nicht nur bei sehr langsamem Sprechen verlieren Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörenden. Das Gleiche passiert auch, wenn Sie grundsätzlich zu schnell sprechen.
Die Mehrheit der Vortragenden neigt zu schnellem Sprechen. Das hängt mit der Aufregung zum Beispiel vor einer Rede zusammen. Man nennt diese Aufregung oder Anspannung auch Lampenfieber. Was Lampenfieber ist und wie Sie verringern können, finden Sie in der Vertiefung.
Wie merken Sie eine zu hohe Sprechgeschwindigkeit?
- Spricht man zu schnell, verschluckt man einzelne Wortteile. Die Aussprache wird dann undeutlich.
- Wenn man zu schnell spricht, lässt man Pausen zum Beispiel zwischen Sätzen oft weg. Man hängt einen Satz an den Anderen.
- Spricht man zu schnell, ist das Atmen oft schwierig. Es bleibt keine Zeit ein- und auszuatmen.
Sprechweise
Neben der Stimme ist auch die Sprechweise wichtig, dass die Zuhörenden Ihren Redeinhalt gut verstehen können, also nachvollziehen können.
- Versuchen Sie eher kürzere Sätze zu verwenden. Ein Satz sollte nicht mehr als 15 bis 20 Wörter haben.
- Benutzen Sie möglichst keine Fremdwörter. Erklären Sie schwierige und lange Wörter.
- Sagen Sie eindeutige und klare Sätze.
- Vermeiden Sie Sprichwörter.
- Vermeiden Sie Füllwörter wie zum Beispiel: eigentlich, vermutlich, vielleicht, ein bisschen.
- Nutzen Sie aktive Formulierungen, diese wirken handlungsfreudiger. Ein Beispiel ist: „Ich kontaktiere Sie“ statt „Sie werden von uns kontaktiert“.
- Suchen Sie sich die wichtigsten Informationen ihrer Rede heraus. Überlegen Sie sich Beispiele zu diesen. Bauen Sie die Beispiele in den Vortrag ein. Beispiele helfen den Zuhörenden neue Informationen besser zu verstehen.
Das Thema Stimme und Sprechweise werden wir in der Präsenzschulung weiter vertiefen und vor allem praktisch üben.
Redeinhalt
Wie kann ich den Inhalt für eine Rede festlegen? Wie kann ich meinen Inhalt gut strukturieren?
Es gibt verschiedene Modelle, die einem helfen, den Inhalt für eine Rede festzulegen und die Reihenfolge zu bestimmen. Die Brainstorming-Methode ist eine davon. Lernen Sie sie im folgenden Lernvideo kennen.
Video: Brainstorming
Video in deutscher Gebärdensprache: Brainstorming
Folien: Brainstorming
Text: Brainstorming
Hier können Sie die einzelnen Schritte der Brainstorming-Methode noch einmal nachlesen:
- Schritt: Sammeln sie alle Gedanken zu einem Thema. Schreiben Sie diese Gedanken auf Karten auf. Nutzen Sie einen Gedanken pro Karte.
- Schritt: Breiten Sie alle Karten aus. Karten, die inhaltlich zusammengehören, sortieren Sie auf einem Stapel.
- Schritt: Finden Sie eine Überschrift für jeden Stapel.
- Schritt: Legen Sie die Reihenfolge der Überschriften mit Themenblöcken fest.
- Schritt: Was würde den „roten Faden“ der Rede schwächen?
- Schritt: Welches Argument ist noch wichtig?
Klären Sie ab, wie lang Ihre Rede sein soll. Passen Sie die Menge des Inhalts an die Länge Ihrer Redezeit an. Es hilft dabei, die Rede durchzusprechen und dabei die Zeit zu stoppen.
In der Vertiefungsbox ist ein 2. Modell. Dieses Modell heißt MISLA-Modell. Auch dieses Modell hilft Ihnen, Ideen für eine Rede zu sammeln.
Vertiefung
Hier können Sie ein weiteres Modell kennenlernen. Dieses Modell kann Sie beim Schreiben einer Rede unterstützen. Sie können auch die Bücher nachlesen, welche wir für diesen Lernbereichverwendet haben.
Viel Spaß beim Lesen!
Rhetorik: MISLA-Modell
Das MISLA-Modell hilft Ihnen den Inhalt für eine Rede, einen Vortrag oder einen Kurs festzulegen. Sie können dieses Modell anstelle der Brainstorming-Methode nutzen.
MISLA steht für:
Motivation: Warum spreche ich?
Ist-Zustand: Wie ist die aktuelle Situation?
Soll-Zustand: Wie sollte die Situation sein?
Lösung: Wie kann dieser Zustand erreicht werden?
Appell: Was können wir tun?
Beispiel
Motivation: Ich bin gerade mit der Straßenbahn zu einer Veranstaltung gefahren.
Ist-Zustand: Der Einstieg in die Straßenbahn war mit meinem Rollator sehr beschwerlich. Ohne die Hilfe eines fremden Mannes, wäre es mir nicht möglich gewesen einzusteigen. Es war eine alte Straßenbahn und der große Abstand zwischen Bahn und Haltestelle wäre für mich alleine nicht zu überwinden gewen.
Soll-Zustand: Ich wünsche mir, dass das Thema Barrierefreiheit weiter vorangetrieben wird und alle Orte für alle Menschen zugänglich sind.
Lösung: Die Politik muss endlich mehr für Barrierefreiheit tun. Wir brauchen moderne Straßenbahnen, sodass der Zugang für alle Menschen möglich ist.
Appell: Wir müssen alle gemeinsam für unsere Rechte kämpfen und uns dafür einsetzen.
Angaben zu Literatur und Quellen:
Schwarzbach, Beatrix (Rhetorik-Trainerin, Sprecherzieherin (DGSS) und Regisseurin)
Rhetorik Training – So lernst du, langsamer zu sprechen
Webseite: Beatix Schwarzbach – So lernst du, langsamer zu sprechen | 26.01.2024
Allhoff, Dieter-W. | Allhoff, Waltraud
Rhetorik & Kommunikation – Ein Lehr- und Übungsbuch
Ernst Reinhardt Verlag München Basel | 2014 | Regelsprache
Gora, Stephan
Praktische Rhetorik – Rede- und Gesprächstechniken in der Schule
Kallmeyer in Verbindung mit Friedrich Klett Verlag Hannover | 2021 | Regelsprache