Lernen gestalten
Einleitung
Wir wissen bereits, dass man immer lernt.
Verfolgt das Lernen, aber die Entwicklung von bestimmten Fähigkeiten und Fertigkeiten, sollte das Lernen gestaltet sein!
Dieser Lernbereich befasst sich damit, wie das Lernen gestaltet werden sollte. Wie Kursleitende also gut Lehren können. Lehre meint also das Unterrichten oder das Begleiten von Lernenden.
Es wird auch ein Vorgehen aufgezeigt, wie ein Lernangebot durchdacht und sorgfältig geplant werden kann.
Natürlich erfahren Sie in diesem Lernbereich nur einen kleinen Teil davon, was eine gute Lehre ist. Die BaLiE-Qualifizierung zielt insgesamt darauf ab, dass Sie Ihre Fähigkeiten zu lehren Stück für Stück ausbauen.
Die Schritte sind:
- Was ist Didaktik?
- Grundsätze für didaktisches Handeln
- Grundlagen für die Gestaltung eines Angebots
- Wie ist das Angebot gestaltet?
- Mehrsinnesprinzip
Was ist Didaktik?
Die Didaktik ist die „Wissenschaft vom lernwirksamen Lehren“ (wb-web). Sie befasst sich mit den verschiedenen Bereichen, die für eine gute Lehre wichtig sind. Diese Themenbereiche werden in dem folgenden Modell dargestellt.
Didaktisches Dreieck
Bildbschreibung zum Schaubild: Didaktisches Dreieck
Das Modell zeigt ein gleichschenkliges Dreieck. Das Dreieck ist von einem Kreis umgeben. An der linken Spitze des Dreiecks steht das Wort Lehrkraft, an der rechten Spitze des Dreiecks steht das Wort Lernende. An der Spitze oben steht das Wort Thema. Am Kreis steht das Wort Umfeld.
Text: Didaktisches Dreieck
Die Didaktik befasst sich also…
- mit den Lernenden. Also mit der Gruppe, für die ein Lernangebot erstellt wird.
- mit dem Thema des Kurses. Also was ist der Lerninhalt, wie wird der Lerninhalt vermittelt.
- mit der Lehrkraft. Sie plant den Kurs. Sie entscheidet über die Lernprozesse.
- mit dem Umfeld. Gemeint ist die Bildungseinrichtung. Sie beeinflusst das Lernen zum Beispiel durch Vorgaben oder die Lernräume.
Es gibt Erwartungen an Kursleitungen in der Erwachsenenbildung. Eine ist es, didaktisch zu handeln.
Was bedeutet es didaktisch zu handeln?
Didaktisches Handeln meint:
- sich Wissen über Lernen und Lehre anzueignen
- sein Kursangebot sorgfältig zu planen
- seine Beziehung mit den Kursteilnehmenden zu gestalten
- sein Handeln zu überdenken
- das Wissen über Lehre mit seinen Erfahrungen verknüpfen und daraus ein eigenes didaktisches Vorgehen zu entwickeln
- die Rahmenbedingungen zu hinterfragen und mitzugestalten.
Die BaLiE-Qualifizierung enthält diese Themenbereiche. Sie werden damit unterstützt als Kursleitung didaktisch handeln zu können. Zum Beispiel haben Sie bereits Wissen über das Lernen erhalten. In diesem und dem nächsten Lernbereich eignen Sie sich Wissen über das Lehren an.
Didaktisches Handeln entsteht aber vor allem auch im Tun. Sie werden nach dieser Qualifizierung noch keine fertige didaktische Herangehensweise haben. Wenn Sie einen Kurs leiten, werden Sie Erfahrungen machen. Diese Erfahrungen sind wichtig, um dann eine eigene didaktische Haltung zu entwickeln.
Fehler gehören zum Lernen dazu! Aus Ihnen lernt man. Das gilt für Sie als Kursleitung und für Ihre Teilnehmenden. Zeigen Sie Ihren Teilnehmenden, dass auch Sie Fehler machen. Die Teilnehmenden werden eigene Fehler dann besser zulassen können.
Denken Sie daran, wie mühsam es für ein Kleinkind ist, das Laufen zu lernen. Das Kind zählt dabei aber nicht seine Fehler. Das Kind merkt sich die kleinen Fortschritte
Grundsätze für didaktisches Handeln
Im Lernbereich Lernen verstehen, wurden Umstände aufgeführt, wie gut gelernt werden kann. Aus diesen lassen sich Grundsätze für das Lehren ableiten.
- Stärken Sie das Vertrauen der Teilnehmenden in die eigenen Lernfähigkeiten.
Zum Beispiel: Erklären Sie den Teilnehmenden, wie auch Erwachsene noch gut lernen können. - Versuchen Sie Umstände für gute Lernerfahrungen zu schaffen.
Zum Beispiel: Passen Sie die Lernziele an die Teilnehmenden an. - Versuchen Sie Störungen der Konzentration zu vermeiden.
Zum Beispiel: Bitten Sie alle Teilnehmenden, Ihr Smartphone leise zu schalten und auch die Vibration auszuschalten. - Motivieren Sie Ihre Teilnehmenden.
Zum Beispiel: Machen Sie die Teilnehmenden neugierig auf ein Thema. Neugierde erzeugt Motivation. Auch Ihre Motivation als Kursleitung kann sich positiv auf die Motivation Ihrer Teilnehmenden auswirken. - Persönliche Lernziele steigern die Motivation, zu lernen.
Zum Beispiel: Fragen Sie persönliche Lernziele bei Ihren Teilnehmenden ab. - Versuchen Sie Emotionen zu wecken.
Zum Beispiel: Erklären Sie Inhalte auch anhand von Beispielen oder Geschichten zu Menschen. Auch mit lustigen Geschichten wecken Sie Emotionen. - Sprechen Sie beim Lernen verschiedene Sinne gleichzeitig an.
Zum Beispiel: Wenden Sie das Mehrsinnesprinzip an. Sie lernen es in Schritt 3 kennen. - Verknüpfen Sie altes Wissen mit neuem Wissen.
Zum Beispiel: Fragen Sie bei den Teilnehmenden Vorwissen zu einem Thema ab. - Eröffnen Sie neue Wege zu handeln.
Zum Beispiel: Zeigen Sie neue Sichtweisen auf ein Thema auf. Bewerten Sie dabei nicht alte Sichtweisen. - Beachten Sie den Gesundheitszustand Ihrer Teilnehmenden.
Zum Beispiel: Erklären Sie Ihren Teilnehmenden die Wirkung von Erfolgen beim Lernen auf die Gesundheit. - Halten Sie Pausenempfehlungen ein.
Zum Beispiel: Machen Sie nach einer Lernzeit von 25 Minuten immer kurze Pausen von 2 bis 3 Minuten. Fordern Sie Ihre Teilnehmenden dazu auf, Ihr Gehirn wirklich entspannen zu lassen.
Greifen Sie sich zwei Grundsätze heraus. Überlegen Sie sich ein eigenes Beispiel, wie sie diese Grundsätze beim Handeln beachten können.
Grundlagen für die Gestaltung eines Angebots
In Schritt 2 wurden allgemeine Grundsätze für didaktisches Handeln beschrieben. Die Didaktik bietet aber auch konkrete Hilfestellungen. Das Modell zur Entwicklung eines Angebots von Erhard Schlutz wird in der Erwachsenenbildung viel verwendet.
Das Modell enthält die folgenden 7 W-Fragen. Sie helfen dabei, ein Angebot zu durchdenken und sorgfältig zu planen:
- Wofür mache ich ein Angebot? Für welche Lebenssituation? Für welchen Zweck soll das Angebot genutzt werden?
- Für Wen gestalte ich das Angebot? Wer ist die Zielgruppe?
- Wozu ist das Angebot gut? Welches Lernziel hat das Angebot?
- Was sind die Inhalte?
- Wie ist das Angebot gestaltet? Welche Veranstaltungsform hat das Angebot? Welche Methoden werden angewandt?
- Womit wird gelernt? und Wo wird gelernt? Mit welchen Medien wird gelernt? An welchem Ort wird gelernt?
Das Modell zeigt, dass die Fragen alle zusammenhängen. Es ist daher sinnvoll alle Fragen bei der Entwicklung eines Angebots zu durchdenken.
Die Inhalte von manchen Fragen werden zu einem späteren Zeitpunkt vertieft. Sie werden das Modell also zu einem späteren Zeitpunkt für Ihr Angebot anwenden können. Jetzt reicht es zunächst, dass Sie die W-Fragen verstehen.
Einzelne Fragen besprechen wir hier noch genauer.
Wozu ist das Angebot gut?
Es ist eine der wichtigsten Aufgaben zu Beginn der Planung die Lernziele des Angebots zu bestimmen. Mit den Lernzielen ist das Ergebnis der Lehr-Lern-Prozesse gemeint. Also was die Teilnehmenden nach Ihrem Angebot können sollen.
Die Kursleitung übernimmt die Lernzielformulierung zu Beginn für die Teilnehmenden. Dabei ist nicht sicher, ob die Teilnehmenden diese auch wirklich erreichen werden. Aus den Lernzielen bestimmt sich dann der Lerninhalt.
Die Formulierung von Lernziele ist nicht ganz einfach. Man benennt das Seminarthema mit einer Sache und fügt ein Verb hinzu. Gemeint ist ein Wort, dass eine Tätigkeit bezeichnet, wie kennen, verstehen, belegen oder erklären.
Die Teilnehmenden sollen Interesse gewinnen.
Die Teilnehmenden sollen neue Ideen entwickeln.
Lernziele nutzen den Teilnehmenden zu verstehen, welches Ergebnis Sie erreichen sollen. Lernziele sind vor allem auch ein Hilfsmittel für die Planung der Lerninhalte.
Wie ist das Angebot gestaltet?
Auch hier lernen sie ein Modell kennen, die Lernphasen nach Papenkort. Sie helfen Ihnen den Inhalt Ihres Angebots besser planen zu können.
Lernphasen nach Papenkort
Bildbschreibung: Lernphasen nach Papenkort
In dem Schaubild sind vier Rechtecke zu sehen, die nebeneinander abgebildet sind. Zwischen den Rechtecken ist jeweils ein Pfeil der nach rechts zeigt.
Im ersten Rechteck steht „Einsteigen“. Ein Pfeil zeigt auf das zweite Rechteck in dem „Erarbeiten“ steht. Ein weiterer Pfeil zeigt auf das dritte Rechteck, in dem „Integrieren“ steht. Ein weiterer Pfeil zeigt auf das vierte Quadrat, in dem „Auswerten“ steht.
1. Phase: Einsteigen
Hier lernen die Teilnehmenden die anderen Teilnehmenden, den Lernstoff und die Kursleitung kennen.
Die Kursleitung lernt die Wünsche und Erwartungen der Teilnehmenden kennen und erklärt den Teilnehmenden den Inhalt des Kurses.
2. Phase: Erarbeiten
Die Teilnehmenden lernen das neue Wissen kennen. Die Kursleitung muss überlegen und planen, wie sie das neue Wissen erklären will. Dabei können Präsentationen, Tafelbild oder Texte helfen. Das neue Wissen soll dann von den Teilnehmenden bearbeitet werden.
3. Phase: Integrieren
In dieser Phase eignen sich die Teilnehmenden das Wissen an. Das neue Wissen, wird mit dem altem Wissen verbunden. Das machen die Teilnehmenden durch Wiederholen, Ausprobieren oder Aufschreiben.
4. Phase: Auswerten
Damit ist das Ende des Angebots gemeint. Die Kursleitung überlegt sich, was ein guter Abschluss sein kann. Sie fasst die Inhalte zusammen. Auch holt sich die Kursleitung eine Rückmeldung von den Teilnehmenden ein.
Überlegen Sie sich, wie Sie Ihren Kurs willkommen heißen. Schreiben Sie einen kurzen Text, wie Sie sich vorstellen. In diesem Text soll Folgendes vorkommen:
- wie Sie heißen
- welche Ausbildung/ Tätigkeit Sie haben
- welche Interessen Sie haben
- was im Kurs gelernt wird
- wie die nächsten Kurstermine gestaltet sein werden.
Mehrsinnesprinzip
Bei der Gestaltung Ihres Angebots sollten Sie sich auch Gedanken über Barrierearmut machen. Also wie gestalten Sie den Kurs so, dass Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen daran teilnehmen können?
In diesem Video lernen Sie das Mehrsinnesprinzip kennen. Sehen Sie sich das Lernvideo an.
Video: Mehrsinnesprinzip
Video in deutscher Gebärdensprache: Mehrsinnesprinzip
Folien: Mehrsinnesprinzip
Text: Mehrsinnesprinzip
Das Mehr-Sinnes-Prinzip hilft nicht nur Menschen, deren Sinne beeinträchtigt sind. Zuletzt hilft es allen Teilnehmenden sich die Lerninhalte besser zu verinnerlichen.
Es gibt beim Lehren viel zu beachten. Das Lehren benötigt also viel Wissen. Es benötigt aber auch sehr viel Übung.
Fehler gehören hier dazu. Verzeihen Sie auch sich Fehler. Beim nächsten Mal werden Sie es besser machen!
Angaben zu Literatur und Quellen:
Dieter Euler | Angela Hahn
Wirtschaftsdidaktik
Bertelsmann Verlag GmbH Bielefeld | 2013 | Regelsprache
Ekkehard Nuissl | Horst Siebert
Lehren an der VHS – Ein Leitfaden für Kursleitende
BW. ertelsmann Verlag GmbH | 2013 | Bielefeld
Erhard Schlutz
Bildungsdienstleistungen und Angebotsentwicklung
Waxmann Verlag GmbH Münster | 2006 | Regelsprache
Horst Siebert
Didaktisches Handeln in der Erwachsenenbildung – Didaktik aus konstruktivistischer Sicht
ZIEL Verlag GmbH Augsburg | 2019 | Regelsprache
Horst Siebert
Lernen und Bildung Erwachsener
Bertelsmann Verlag GmbH Bielefeld | 2017 | Regelsprache
Ulrich Papenkort
Lernphasen
In: Güttler, R./Peters, O./Urbach, D.
Grundlagen der Weiterbildung – Praxishilfen (Loseblattsammlung)
Neuwied Verlag Luchterhand | 2001 | Regelsprache
wb-web – Kompetenz für Erwachsenenbilder/innen
Didaktik der Erwachsenenbildung – Der Blick aufs große Ganze
Webseite: WB-web.de Didaktik der Erwachsenenbildung | Stand 13.03.2024 | Regelsprache